Sprechen im Radio - Teil 4: Checkliste
Sprechen im Radio - Teil 4: Checkliste Foto: © radioberatung.de

Sprechen im Radio - Teil 4: Checkliste

Fehler, die gemacht werden, und wie Sie sie vermeiden können!

01 Noch bevor Sie beginnen zu sprechen, geraten Sie in Stress: Sie werden kurzatmig, Ihr Mund wird trocken, das Herz pocht bis zum Hals.

Ihre Konzentration ist abgelenkt vom Wesentlichen - Ihrem Thema, Ihrem Hörer. Sie wirken nervös, unkonzentriert und dadurch wenig überzeugend

Nehmen Sie sich Vorbereitungszeit!

  • Machen Sie 'im stillen Kämmerlein' ein paar Übungen aus dem Warm-up.
  • Atmen Sie kraftvoll und ruhig aus. Der Einatem geschieht von allein.
  • Summen Sie, um den Kehlkopf zu entspannen und Ihre Stimme in eine bequeme Stimmlage zu bringen.
  • Bei Mundtrockenheit beißen Sie sich leicht auf die Zunge, das bringt den Speichelfluss in Gang.

Sie werden ruhiger und können sich besser konzentrieren. Das gibt Ihnen Sicherheit!

annalena schmidt 2017Annalena Schmidt arbeitet seit 1993 als Atem-, Stimm- und Sprechtrainerin (Atemrhythmisch Angepasste Phonation nach Coblenzer/Muhar) und ist Mitglied der DGSS (Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung). Deutschlandweit arbeitet sie für zahlreiche Radio- und Fernsehsender und Verlage. Foto: Darek Gontarski
www.sprechtraining.info

02Sie raffen sich auf, um zu sprechen.

Sie schnappen schon vor Sprechbeginn nach Luft.

Gehen Sie 'auf Sendung' vor Sprechbeginn!

  • Machen Sie sich Ihr Anliegen und Ziel klar.
  • Richten Sie sich körperlich auf und bündeln Sie Ihre Energie auf Ihren Hörer und die Bilder, wenn Sie Over-voice sprechen!
  • Es muss Ihnen Freude bereiten, Ihr Anliegen, Ihre Botschaft mit anderen Menschen zu teilen – Sie haben etwas mit-zu-teilen!

Sie haben genügend Luft und sind mit dem ersten Wort bei Ihrem Hörer. Das schafft Klarheit!

03Sie klemmen am Ende eines Satzes den Mund zu oder Sie lassen während des Sprechens allmählich die Spannung aus der Stimme entweichen.

Sowohl Klemmen am Ende als auch Erschlaffen führen zu Schnappen während des Sprechens und Sie verlieren den Kontakt zu Ihrem Zuschauer.

Halten Sie die Spannung während des Sprechens durch!

  • Lösen Sie sauber die Artikulationswerkzeuge am Ende einer Sprecheinheit, damit sich die Luft automatisch und geräuschlos ergänzen kann.
  • Atemergänzung erfolgt durch den Mund.

Sie haben immer genügend Luft zur Verfügung und können störungsfrei kommunizieren.

04Sie möchten intensiv und nachdrücklich wirken und erhöhen deshalb den Stimmdruck.

Die Stimme wird eng und fest und verliert ihren Klang. Sie erdrücken damit Ihre Gesprächspartner.

Benutzen Sie Ihr körpereigenes „Megaphon“!

  • Weiten und öffnen Sie Ihre Klangräume (Rachen-, Mund- und Nasenraum).
  • Machen Sie sich bewusst, dass Ihr gesamter Körper die Resonanz verstärken kann.

Ihre Stimme ist tragfähig, klingt angenehm und wirkt damit positiv auf Ihren Zuschauer.

05Sie nuscheln oder bemühen sich, überdeutlich zu artikulieren.

Sie werden nicht verstanden oder, im andern Fall, Sie wirken gekünstelt.

Erzeugen Sie Spannung und Klarheit durch präzise Artikulation!

  • Machen Sie Ihre Artikulationswerkzeuge (Lippen, Zunge, Zäpfchen, Gaumensegel, Unterkiefer) geschmeidig, damit Sie zur Spannungserzeugung alle Konsonanten gut 'greifen' und lösen können.
  • Geben Sie den Vokalen (Mund-) Raum, damit sie klingen können.

Ihre Aussprache ist klar und verständlich und Ihre Worte wirkend spannend!

06Sie haben wenig Zeit für viel Inhalt und sprechen daher zu schnell.

Das Gesagte rauscht am Ohr des Zuschauers vorbei.

Geben Sie Ihrem Zuschauer/Hörer die Zeit, die er braucht, um die oft komplexen Inhalte ohne Anstrengung nachvoll ziehen zu können!

  • Packen Sie nicht mehr Inhalt in ein Zeitfenster als objektiv möglich ist.
  • Haben Sie Mut zu Pausen, aber gehen Sie nicht in der Pause innerlich auf Urlaub!
  • Bleiben Sie während des Sprechens mit wachen Sinnen bei Ihrem Zuschauer/ Hörer und Ihrem Thema.

Sie halten Ihren Gesprächspartner, auch während der Pause, in (Atem-) Spannung!

07Sie haben ein vorformuliertes Skript und lesen 'nur' gut betont vor.

Der persönliche Funke springt nicht über, und Sie erreichen Ihre Zuschauer/ Hörer nur unzulänglich.

Ihre Hörer möchten von einem lebendigen Menschen angesprochen werden:

  • Wenden Sie sich mit Freude und Engagement Ihrem Hörer zu.
  • Denken und empfinden Sie das, was Sie sagen mit, statt nur 'gut betont' zu lesen.

Ihre Hörer fühlen sich angesprochen!

08Sie unterstützen Ihre Inhalte zu wenig oder zu viel durch Mimik und Gestik.

Sie wirken unlebendig oder wirken unruhig bis hektisch.

Finden Sie das rechte Maß, indem Sie zu Hause und mit Kollegen üben!

  • Nehmen Sie Ihre Moderation mit der Videokamera auf und überprüfen Sie Ihren Körperausdruck; lassen Sie sich von Menschen Ihres Vertrauens Feedback geben.
  • Bei zu wenig Mimik / Gestik: Grimassieren Sie, um die Beweglichkeit Ihrer Gesichtsmuskulatur kennen zu lernen.
  • Unterstützen Sie emotionale Äußerungen durch große Körpergesten. Machen Sie immer wieder eine Videokontrolle, bis Sie das rechte Maß gefunden haben.

Sie wirken authentisch und damit überzeugend!

Es wird Ihnen gelingen, mit Ihrer Stimme punktgenau Stimmung und Spannung zu erzeugen und Ihre Zuschauer zu fesseln. Damit bei Ihnen niemand nach ein paar Sätzen „abschaltet”... 

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