Sprechen im Radio - Teil 3: Bereiten Sie Ihr Sprechinstrument vor!
Sprechen im Radio - Teil 3: Bereiten Sie Ihr Sprechinstrument vor! Foto: © Engage-toi

Sprechen im Radio - Teil 3: Bereiten Sie Ihr Sprechinstrument vor!

Jeder Sportler, jeder Sänger macht sein Instrument fit, bevor er an den Start geht. Niemand kann sich vorstellen, dass der Sportler oder Sänger auch ohne ein Aufwärmtraining erfolgreich sein kann. Aber kaum ein Sprecher bereitet sich körperlich und stimmlich auf das Sprechen vor.

Da wir von morgens bis abends sprechen, glauben wir, dass uns dieses Instrument sowieso und jederzeit optimal zur Verfügung steht. Dies ist ein Trugschluss! Überprüfen Sie selbst: Wie klingt Ihre Stimme nach dem Aufstehen? Wie klingt sie in einer Stresssituation? Sie klingt unterschiedlich, aber weder die eine noch die andere Stimme ist die optimale für einen erfolgreichen Gang vor das Mikrofon.

annalena-schmidtAnnalena Schmidt arbeitet seit 1993 als Atem-, Stimm- und Sprechtrainerin (Atemrhythmisch Angepasste Phonation nach Coblenzer/Muhar) und ist Mitglied der DGSS (Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung). Deutschlandweit arbeitet sie für zahlreiche Radio- und Fernsehsender und Verlage. Foto: Christine Rosinski
http://www.sprechtraining.info/

Die folgenden Übungen sind zur Aufwärmung gedacht. Sollten Sie individuelle Grundprobleme im Umgang mit Atmung, Stimme und Aussprache haben, dann sollten Sie einen professionellen Trainer oder einen Atem-, Stimm- und Sprechtherapeuten aufsuchen. Zum weiteren Verständnis noch mal der Vergleich mit dem Sportler oder Sänger: Beide haben jahrelang trainiert und sind Profi auf ihrem jeweiligen Gebiet. Trotzdem machen sie vor einem Wettkampf, vor einem Auftritt ihr Instrument warm.

In diesem Sinne hier ein paar Übungen.
 Probieren Sie sie aus, und spüren Sie, welche Ihnen gut tun!

Allgemeines Lockern von Körper, Atem und Stimme

Die a+o Übung

Dehnen, räkeln und strecken Sie sich und gähnen Sie dabei hörbar - das weitet den Rachen, aktiviert die gesamte Muskulatur und das Zwerchfell, löst Verspannungen und regt die Durchblutung an; kurz: es weckt das ganze System „Stimme“ auf.

Stimm – Lippen – Flatter

Bringen Sie Ihre Lippen mit der Stimme zum flattern und schütteln Sie dabei die Hände, dann die Füße, dann den ganzen Körper aus.

Haltung für sitzende Sprecher

Bereitschaftssitz

Sitzen Sie auf dem vorderen Drittel des Stuhls, beide Füße flach auf dem Boden (Kniegelenk im rechten Winkel!), spüren Sie Ihre Sitzhöcker auf der Stuhlfläche und ruckeln Sie dabei mit dem Becken.

Aufrichtung

Aus dieser Haltung dehnen und recken Sie sich mit den Fingerspitzen zur Decke, dann lassen Sie nur die Arme seitlich herunterfallen.
Der Oberkörper bleibt gut aufgerichtet. So ist Ihr Körper bereit für einen gut gespannten Ton.

Haltung für stehende Sprecher

Bereitschaftsstand

Stehen Sie hüftbreit auf beiden Füßen. Das Gewicht soll eher auf den vorderen Zehenballen liegen; in keinem Fall auf den Fersen! Achten Sie darauf, dass die Knie gelöst sind.

Aufrichtung

Aus dieser Haltung dehnen und recken Sie sich mit den Fingerspitzen zur Decke, dann lassen Sie nur die Arme seitlich herunterfallen.
Der Oberkörper bleibt gut aufgerichtet. So ist Ihr Körper bereit für einen gut gespannten Ton.

Zwerchfelltraining

Staub wegpusten

Blasen Sie kraftvoll die Luft aus dem Mund, als wollten Sie den Staub von der Kameralinse/dem Mikro“bobbel“ wegpusten. Sie spüren wie Ihr Zwerchfell hüpft. Sie werden auch dabei merken, dass Sie keine Luft holen müssen, sondern dass die Luft von alleine kommt.

Mit Plosiven das Zwerchfell bewegen

Lassen Sie p-t-k mit und ohne Stimme platzen; das lässt das Zwerchfell hüpfen und bereitet die Artikulation vor.

Stimmentfaltung

Erforschen des Mundinnenraums

Erforschen Sie Ihren Mundinnenraum mit der Zunge. Sie werden erstaunt sein, wie groß er ist. Von der Größe dieses Raums hängt maßgeblich die Klangqualität Ihrer Stimme ab.

Summen und kauen

'mmamemimomumm / nnaneninonunn'
'Mond, Mund, Monat... Man möchte manchmal meinen, du hättest Recht!'
Das übt Resonanz und vorderen Stimmsitz.

Lippentriller

Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Kind und lassen geräuschvoll Spinat aus Ihrem Mund blubbern. Oder Sie spielen Autofahren. Ziehen Sie dabei die Töne rauf und runter, wie eine Sirene.
Das löst die Kehlkopfmuskulatur. Ist die verspannt, dann wirkt die Stimme meist hart und fest. Gleichzeitig werden alle Stimmregister aktiviert.

Artikulation

Unterkiefer lockern

Streichen Sie Ihr Gesicht aus und nehmen Sie dabei den Unterkiefer mit. Dann sagen Sie „na“ - fangen Sie langsam an, werden immer schneller bis zu einem federnden „nanananana“ – und lassen Sie auf den Vokal 'a' ihren Unterkiefer richtig schön fallen.
Durch das 'n' wird ihre Stimme gleichzeitig aus dem Hals in den vorderen Resonanzbereich „gelockt“.

Lippen: Breitmaulfrosch

Ziehen Sie Ihre Lippen in die Breite, dann zur Schnute – und das in schnellem Wechsel. Das fördert die Beweglichkeit der Lippen.

Die Zunge in Aktion

Kreisen Sie mit der Zunge zwischen Lippen und Zähnen. Das aktiviert den Mundvorhof.
Schnalzen Sie mit der Zunge und verändern Sie dabei immer wieder die Größe des Mundraums.

Korkensprechen

Korken in den Mund und 3-4 Zeilen (nicht mehr, sonst verkrampft der Kiefer!!) eines Textes sprechen.
Dabei mit den Zähnen kräftig auf den Korken beißen und v.a. die Konsonanten kraftvoll - gegen den Widerstand des Korken - versuchen, deutlich zu sprechen. Dabei nicht zu den Vokalen hin spreizen!!!
Dann raus mit dem Korken, das Gesicht ausschütteln, den Text wiederholen und weiterreden.
Wer gerade keinen Korken parat hat, kann auch den Daumenknochen in den Mund stecken.

Achtung: diese Übung funktioniert nicht bei jedem Menschen! Probieren Sie aus, ob Sie einen Gewinn durch diese Übung haben.

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